“Jeder Gebrauch von Sprache (allgemeiner: Zeichen) steht in einem dialogischen Zusammenhang, stellt eine Reaktion auf vorangehende Texte oder “Stimmen” dar und bildet wiederum den Ausgangspunkt für nachfolgende Reaktionen. Auch Bekritzeln (…) ist als eine dialogische Handlung anzusehen: Indem ich meine Zeichen auf ein kleines, doch so “mächtiges” Stück Text draufsetze, re-agiere ich auf diesen Text und das wofür er steht. Das Ergebnis (…) ist ein neuer Text, in welchem die ursprüngliche Stimme und meine eigene Reaktion einen neuen Sinn ergeben.”

Jannis Androutsopoulos

Als Ausgangstext und -heft dient mir die Reclam-ausgabe von Goethes Faust als eine Art “Schablone”, jenseits welcher sich die unterschiedlichsten handschriftlichen Spuren verschiedener Personen finden lassen. Diese Kommentierungen reichen dabei von unentzifferbarem Gekritzel, Illustrationen, Erinnerungsstützen, über vorgekaute Erkenntnisse, hin zu überraschenden Sichtweisen. Die mehr oder weniger bewussten Stellungnahmen jenseits der Werkgrenzen ermöglichen Einblick in einen Dialog des jeweiligen Leser mit dem entsprechenden Werk.

Georg Steiners Kritik, sich hinsichtlich des vorherrschenden, teils wuchernden “Über” nicht mehr mit dem “Eigentlichen” auseinanderzusetzen, lasse ich dabei außen vor. In der Bezogenheit (Aboutness) verschiedener “Über” auf dasselbe “Eigentliche” sehe ich einen Gewinn, keine Gefahr. Die Bezüge anderer sind notwendig bei dem Streben danach, sich etwas anzueignen, sich selber in Beziehung zu setzen um letzenendes eine eigene Haltung entwickeln zu können.


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