„Ich wünsche, der König mit der Prinzessin wäre beim Henker!“

„Die Prinzessin war auch nicht bös darüber, denn der Graf war jung und schön, und er gefiel ihr recht gut.“

„Da ward die Prinzessin mit dem Grafen versprochen, und als der König starb, ward er König, der gestiefelte Kater aber erster Minister.“

Im Märchen "Der gestiefelte Kater" wird die Prinzessin in drei Sätzen erwähnt, obwohl sie eine Hauptrolle spielt. Aus diesen drei Sätzen vermuten wir ihre Persönlichkeit. Wer sie aber wirklich war, erfahren wir nicht.  War sie hübsch, wie wir es von Prinzessinnen erwarten? Und willenlos, wie es scheinen mag? Hatte sie eine Mutter? Im Märchen bleibt diese unerwähnt – Welche Bedeutung hat sie für die Prinzessin und welche Erlebnisse machten die Prinzessin zu dem was sie ist?

Diese Fragen beschäftigten mich, genauer angeschaut habe ich mir Beziehungen von Müttern zu Töchtern: Töchter, die offensichtlich, oder unterschwellig nach der Mutter suchen, die Tochter, die der kontrollierenden Mutter zu gefallen sucht und in einen depressiven Arbeitswahn verfällt. Die kleine Tochter mit der liebevollen Mutter, die mit der großen Schwester geteilt wird. Und schließlich Gedanken, die sich eine heranreifende Frau machen kann, anhand von Zitaten von Thekla von Gumpert aus dem Töchter-Album zur Erziehung junger Frauen. 

Wer die Prinzessin im Märchen wirklich war und was sie prägte, bleibt weiterhin unentlüftet, allerdings wird deutlich, dass sich hinter der Äußerlichkeit, die beim weiblichen Geschlecht besonders wichtig scheint, Ereignisse verbergen, die wir meistens übersehen, eben weil uns die Fassade blendet.


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