Jeder kennt die Angst vor dem Missgeschick, der Augenblick, in dem man stolpert und hängen bleibt. Der Jazzmusiker Thelonious Monk vertuschte derartige Fehltritte auf raffinierte Art und Weise. Er bekannte, wenn ihm ein Fehler unterlaufe, wiederhole er diesen Fehler, um einer missratenen Phrase den Schein der Legitimität zu verleihen. Die Grundlage dieser Arbeit ist, existierende Fehler aus ihrem ursprünglichen Kontext zu greifen und durch Wiederholung in eine neue Form zu verwandeln. Somit wird ein neuer Sinnzusammenhang geschaffen. Für die Umsetzung wählte ich das eigene gestalterische Umfeld und befasste mich mit Satzfehlern, im Detail mit Schusterjungen und Hurenkindern.

Das Ergebnis ist ein Gedichtband, welcher seinen Inhalt aus Hurenkindern bezieht. Für die Materialsammlung blätterte ich durch 519 alphabetisch sortierte Klassiker der Stadtbibliothek Speyer. Nur 54 Bücher enthielten mindestens ein Hurenkind. Die drei Kapitel dieser Arbeit entsprechen den drei Bücherregalen in der Bibliothek. Innerhalb der Regale generieren sich die Gedichte durch die horizontalen Regalreihen, jede Reihe entspricht einem Gedicht. Eine Strophe ergibt sich aus sämtlichen Hurenkindern eines Buches. Findet sich in einem Buch nur ein Hurenkind, besteht die Strophe nur aus einer Verszeile.

Trotz dieses systematischen Umgangs entfaltet sich eine poetische Schönheit. Die Form des Gedichtbandes überhöht die Wortfetzen und verhüllt sie in Poesie. Für den Betrachter entsteht eine neue Perspektive – die vermeintlichen Fehler werden nicht mehr als solche wahrgenommen.

Gewinner »Designpreis Rheinland-Pfalz 2012« in der Kategorie »Design Talents« (> zur Webseite von Designpreis Rheinland-Pfalz), Gewinner in »Output 14« (> zur Webseite von Output)


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