Ich bin Spaziergängerin. Ich gehe oft und gerne spazieren, was mich zu meiner Diplomarbeit führte, in der ich mich mit dem Spazierengehen, genauer gesagt mit der damit verbundenen Wahrnehmung, beschäftige. Für mich bedeutet »Spazierengehen« sich in einem Bereich fernab von Nutzen und Leistung zu bewegen. Ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen loszugehen. Ein Aufbruch ins Ungewisse innerhalb der Grenzen des Bekannten. Spazieren um des Spazierengehens willen. Einen Fuß vor den anderen zu setzen. Nicht über das Gehen nachzudenken, sondern einfach geschehen zu lassen. In einer eigenen, vergänglichen Zwischenwelt zu leben, in der man seine Umwelt ganz anders als sonst wahrnehmen kann.

Diese »andere« Wahrnehmung hat mich besonders fasziniert. Durch die Entschleunigung, das Gehen ohne Zeit- oder Leistungsdruck, können kleinste Details wahrgenommen werden, die einem sonst verborgen bleiben. Unscheinbares wird zur Sensation, Gleichscheinendes zum sich stetig Verändernden. 

Wer es versteht »richtig« spazieren zu gehen, dem scheint kein Spaziergang wie der andere zu sein – auch wenn der Weg derselbe ist.


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