Seit ihrer Gründung im Heiligen Römischen Reich des 16. Jahrhunderts haben Mennoniten mit Verfolgungen und Verdrängungen zu kämpfen. Seit dem 18. Jahrhundert befindet sich die protestantische Gruppe der Mennoniten in ständiger Bewegung. Während der Weltkriege nahm dieses Schicksal seinen Höhepunkt, als zahlreiche Mitglieder der niederdeutschen Mennoniten nach Sibirien deportiert wurden.

Während der Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre sorgte dafür, dass rund 100 000 Russlandmennoniten zurück nach Deutschland auswanderten. Innerhalb kürzester Zeit bildeten sich so über 100 ihrer Brüdergemeinden mit rund 30 000 Mitgliedern. Für viele erfüllte sich mit der Ankunft in Deutschland ein lang ersehnter Traum nach Heimat. Für einige wurde es zu einer Zwischenstation auf dem Weg zu einer neuen Heimat. Ein neues Auswanderungsziel entstand: Kanada.

Begünstigt durch eine Lockerung des Einwanderungsgesetzes, zog insbesondere die Provinz Manitoba viele Gläubige an. In den darauffolgenden Jahren formte sich eine Generation, die den Begriff Heimat völlig neu interpretiert. Unabhängig von Land und Sprache, bildet die Gemeinschaft der Russlandmennoniten ein Volk, das sich über die gemeinsame Heimat im Himmel freut. Darüber hinaus verbindet sie bis heute Kultur, Glaube und nicht zuletzt ihr plattdeutscher Dialekt.

„Breeda en Sestre“ ist plattdeutsch und bedeutet übersetzt Brüder und Schwestern. Meine Eltern sind beide plattdeutsch-mennonitischer Herkunft und in den deutschen Dörfern in Russland aufgewachsen. Als zehnköpfige Familie wanderten wir Anfang der Neunziger Jahre nach Deutschland aus. So wie meine sieben leiblichen Geschwister, so bin auch ich eine Erbin dieser Wurzeln. Die Frage nach dem Verhältnis meiner gläubigen Schwestern und Brüder zu Individualität, Heimat und Zugehörigkeit ließ mich Familien und Gemeinden in Russland, Deutschland und Kanada aufsuchen. Die Neugier um das Wissen ihrer Gedanken und Wünsche, ihrer Träume und Ängste, haben mich dazu bewegt sie in ihrem Alltag zu porträtieren und in Interviews ihre Geschichten erzählen zu lassen.

Es entstand ein Buch mit 100 Bildern, 18 Interviews, Erläuterungen und eine CD mit Interviews im niederdeutschen Originalton. Das Buch entstand als Diplomarbeit an der Hochschule Darmstadt im Februar 2015 bei Prof. Michael Kerstgens und Andrea Diefenbach.



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