Transnistrien liegt völkerrechtlich in der Republik Moldau. Der schmale Landstreifen bildet die nordöstliche Grenze zur Ukraine. Während die Sowjetunion zerfiel, erklärte sich die Region 1990 für unabhängig von Moldau, da sie gegen eine Rumänisierung des öffentlichen Lebens waren. Nach einem Bürgerkrieg (1992) hat die Zentralregierung keine Kontrolle mehr über das Gebiet - es hat sich dort ein De-facto-Regime etabliert, mit eigener Währung, Grenzkontrollen, eigenem Parlament, eigener Nationalhymne und und eigener Staatsangehörigkeit.

Anerkannt wird dieser Staat allerdings nicht, nicht einmal von Russland.

Das politisch-ökonomische und öffentliche Leben ist stark russisch geprägt. Ohne russische Hilfe wäre das Land gar nicht überlebensfähig.

Im März 2014 hat die transnistrische Regierung, im Zuge der Ukraine-Krise und der Besetzung der Krim, um Anschluss an Russland gebeten. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Bestrebungen Moldawiens, Teil der EU zu werden. Die Parallelen zur Ukraine sind offensichtlich.

Ich wollte herausfinden, wie es ist, in einem Staat zu leben, der nicht anerkannt ist und habe über zwei Monate In Tiraspol gelebt. Ich habe viele Menschen kennen gelernt und sie in ihrem Alltag begleitet - in einem Staat ohne eigene Nation, ohne wirklich eigene Geschichte, ohne geordnete Gegenwart und ohne absehbare Zukunft.

Meine Bilder zeigen auf der einen Seite Orte und Menschen, die sich anscheinend seit Jahrzehnten nicht verändert haben: Vor allem die Älteren schwelgen sehnsüchtig in Erinnerungen an die Sowjetzeit, als sie Teil einer Weltmacht waren. Die Speerspitze einer der beiden großen Ideologien nach dem Zweiten Weltkrieg - den sie gewonnen hatten. Doch man spürt ebenso die Isolation und Perpektivlosigkeit in den Gesichtern der Porträtierten. Denn die jüngere Generation träumt von einer bunteren, freieren, hoffnungsvolleren Welt - von einem Leben, das das erlaubt, was eine Jugend ausmacht: Rebellion, Selbstfindung und Perspektiven.


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