Einführung.
Unser alltäglicher Handlungsraum erscheint auf den ersten Blick als untrennbar zusammenhängendes, komplexes Gefüge aus Gegenständen, Gefühlen und Gedanken.

Die Aufgabe der gestalterischen Disziplinen ist es (aus mehreren Gründen1) in diesen Handlungsraum einzugreifen und ihn sinnstifttend zu beeinflussen. Als Ausgangspunkt für ein Eingreifen eine intuitive oder erfahrungsbasierte Erkenntnis und/oder sinnliche Beobachtung dienen.

Im Studienfach Grundlagen des 2+3 dimensionalen Gestaltens werden an kleinen modellhaften Aufgaben Einblicke in den „Wortschatz“ und die „Grammatik“ der Gestaltung gegeben und projektbezogen strategische Vorgehensweisen für kleine, wenig komplexe Eingriffe (Entwurfsaufgaben) geübt.

 

Vorgehensweise
Im ersten Jahr werden wir die beiden zuerst genannten Kategorien des Gefüges: Gefühle und Gedanken vernachlässigen. Es wird nicht vergessen, dass sie Teil unseres Handlungsraumes sind, sie werden zu Beginn nur vernachlässigt, um die Komplexität der Aufgaben zu reduzieren - um es etwas leichter zu haben.

Wir konzentrieren uns also zuerst auf die Betrachtung der Gegenstände. Dabei ist sehr interessant das Wort Gegenstand einmal genau zu betrachten und zu lesen: GegenStand.

In seiner Zusammensetzung verrät dieses Wort Wesentliches. Wir werden uns auf Dinge konzentrieren, die uns entgegenstehen, die sich außerhalb von uns befinden und nicht, wie Gefühle und Gedanken Teil von uns sind. Dinge, die sich außerhalb von uns befinden betrachten, berühren, beriechen oder belauschen wir mit Hilfe unserer Sinnesorgane.
Wir gewinnen also Informationen über die Erscheinung eines Gegenstandes2, mit anderen Worten seinen stofflichen Eigenschaften: Farbe, Form, Geschmack und Textur. In diesen Eigenschaften liegen -so die hier vertretene These- grundlegenden Gestaltungsmöglichkeiten.

Um zu untersuchen, ob an dieser These etwas Wahres dran ist, erscheint es notwendig, dass den Gegenständen der Alltagswelt eine unbefangene und urteilsfreie Neugier entgegengebracht wird. Gerade so, als ob diese zuvor noch nie gesehen worden wären, und nicht jeder Eindruck mit einer gefühlten, gedachten oder kulturell bestimmten Bedeutung verbunden wären.

Zu Beginn sollen Gemeinsamkeiten und graduelle Unterschiede stofflicher Eigenschaften erkannt und mit geeigneten -nicht sprachlichen-  Mitteln beschrieben werden. Es werden -so die Vermutung- offensichtliche oder subtile Ordnungen entdeckt und es können Regeln formuliert werden, nach denen sich Gegenstände oder ihre sinnlich wahrnehmbare Aspekte strukturiert erfassen lassen.

Das Arbeiten im Unterricht gliedert sich in folgende, prozessorientierte Tätigkeiten:

wahrnehmen
1.     sammeln
2.     ordnen (Erarbeitung von Kriterien und Kategorien)
3.     dokumentieren

interpretieren
4.     analysieren (filtern, auswählen)
5.     verstärken (synthetisieren, verdichten, bedeuten)

reflektieren
6.     rückschauen (theoretisch betrachten)
7.     vergleichen

...nachfolgend wird die Brauchbarkeit der erstellten Sammlung erprobt, indem diese Elemente als formales Vokabular für einfache Entwurfsaufgaben in Einzel- und Gruppenarbeit benutzt werden. Nun beginnt der Spaß richtig!

 


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1z.B. Aus Gründen einer erkannten funktionalen Notwendigkeit, eines Gefühls (oder eines ökonomisch begründeten Argumentes)

2Ein Gegenstand wird auf zweierlei Weise erfahren. Ihm ist eine sinnlich wahrnehmbare Erscheinung eigen und er hat eine Bedeutung.