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Design Exchange Project: Germany-Japan

Prof. Tom Philipps

Internationalisierung lebt von Kooperationen. Das Japan-Gemeinschaftsprojekt der drei hessischen Design-Hochschulen füllt diesen Anspruch beispielhaft mit Leben. Die Hochschule Darmstadt (h_da), die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) sowie die Kunsthochschule Kassel (KHS) gelten als Aushängeschilder hessischer Designausbildung.

Gemeinsam haben diese drei Hochschulen jeweils 20 Industriedesignstudierende mit ihren betreuenden Professoren im Herbst 2005 und im Frühjahr 2006 als »Botschafter« für den Studienstandort Hessen ins Land der aufgehenden Sonne entsendet. Da die im hessischen Bad Vilbel angesiedelte japanische Firma Brother, am besten bekannt durch ihre Büromaschinen, sich zusätzlich als großzügiger Sponsor beteiligte, konnten die jungen Design-Studierenden nicht nur mehrere japanische Partneruniversitäten besuchen, sondern auch für die Firma Brother mehrere Design-Studien erarbeiten, die sie im japanischen Stammhaus in Nagoya den dortigen Fachleuten präsentierten.

1. Hessen und Japan: eine besondere Beziehung

Die Beziehungen zwischen Hessen und Japan haben eine über hundertjährige Geschichte. Zu Anfang überwogen dabei die Kontakte im akademischen Bereich. So wurde übrigens die allererste akademische Vorlesung über Japan im deutschen Sprachraum an der Philipps-Universität Marburg 1878/79 gehalten, und zwar von Prof. Johannes Justus Rein, gebürtig in Raunheim. An eben dieser hessischen Universität war dann 1923 der berühmte japanische Philosoph Kiyoshi Miki, der bei Martin Heidegger studierte. Heute stehen vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen im Vordergrund. Japan und Hessen sind nicht nur füreinander wichtige Handels- und Wirtschaftspartner; durch Direktinvestitionen wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Seit den siebziger Jahren haben japanische Unternehmen ihre Präsenz in Hessen kontinuierlich ausgebaut und beträchtliche Direktinvestitionen vorgenommen. Etwa 200 japanische Unternehmen haben sich in Hessen angesiedelt und fast 5.000 Japaner leben hier.

Gewissermaßen in Umkehrung der Gewichtung von Wissenschaft/Kultur und Wirtschaft bei den beiderseitigen Beziehungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert steht heute die Wirtschaft klar im Vordergrund. Die Wahrnehmung des jeweils Anderen im kulturellen Bereich ist bedeutend schwächer. So ergab z.B. eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie zur »Brand Perception of Germany in Japan«, dass insbesondere die jüngere Generation dort ein etwas antiquiertes Deutschlandbild hat. Das im April 2006 zu Ende gegangene »Deutschlandjahr in Japan« hatte nicht zuletzt zum Ziel, dieses Defizit auszugleichen und den Japanern ein modernes und aktuelles Deutschland zu präsentieren.

Im Rahmen dieses »Deutschlandjahres in Japan« präsentierte sich das Bundesland Hessen dort mit vielfältigen Projekten, z.B. mit Konzerten des Landesjugend-Jazzorchesters, mit Ausstellungen des Brüder-Grimm-Museums und des Goethe-Museums, mit Präsentationen in den Bereichen Telemedizin, Bionik u.a..

2. Studying beyond the borders

Die Qualifikation eines Hochschulabsolventen zeigt sich zunächst durch seine fachlichen und kreativen Fähigkeiten. Doch in einer Welt, die immer näher zusammenrückt, wird die Fähigkeit, sich sicher in anderen Kulturkreisen zu bewegen, zu einer Schlüsselkompetenz. Diese können sich Studierende nicht nur theoretisch aneignen. Sie müssen die Erfahrung des Lebens jenseits der eigenen Landesgrenzen persönlich erfahren. Gerade der unmittelbare fachliche und persönliche Austausch mit Kommilitonen in anderen Ländern erweitert den Horizont nachhaltig.

Angesichts des Zieles, das Deutschlandbild in Japan insbesondere bei der jüngeren Generation zu aktualisieren und dem Defizit bei der Wahrnehmung von Kultur und Gesellschaft entgegenzuwirken, kommt dem Japanprojekt der drei hessischen Design-Hochschulen eine besondere Bedeutung zuteil. So wurde inzwischen im Rahmen der Kooperation ein intensiver Dialog zwischen Industrie-Design Studierenden beider Nationen untereinander, aber auch ein Austausch mit japanischen Wirtschaftsunternehmen möglich, die auch beide Kulturkreise näher brachte.

Bisher konnte dieses zukunftsgewandte und nachhaltige Vorhaben im Rahmen von zwei getrennten Reisen nach Japan realisiert werden, die aber jeweils eine thematisch unterschiedliche Ausrichtung hatten.

Reisen, die einen länderübergreifenden Gedankenaustausch ermöglichen, sind jedoch in diesem Umfang aufgrund der Kosten selten. Dieses Privileg, das Dank der umfangreichen Unterstützung erst ermöglicht wurde, bot für ca. 40 Industriedesign-Studierende aus Hessen die Voraus­setzung für internationale, multikulturelle und praxisnahe Erfahrungen. Längerfristige Kooperations­pläne zwischen den beteiligten Hochschulen und Unterneh­men, die aufgrund der Begegnungen geschlossen wurden, sind ein Beleg dafür, dass der Grundgedanke dieses internatio­nalen Dialogs und Austausches sein Ziel erreicht hat. Nach der Rückkehr aus Japan konnten wir feststellen, dass der Austausch sehr fruchtbar war, belegt durch viele neue Ideen, Ansätze und Erkenntnisse – einzigartig in jeder Hinsicht. Hierfür bedanken wir uns recht herzlich bei allen, die dieses Projekt unterstützten.

3. Kulturelle und traditionelle Facetten

Neben umfangreichen Besichtigungen historischer und kultureller Plätze gab es bei beiden Reisen genügend Zeit für die Teilnehmer, die Städte selbständig zu entdecken und einen umfangreichen Eindruck der Lebens- und Arbeitsgewohnheiten Japans kennen zu lernen. Aufgrund der exzellenten Betreuung und Organisation durch die Hessenagentur und durch die Firma Brother vor Ort wurden somit auch Einblicke in die kulturellen und traditionellen Facetten Japans möglich. Beide Reisen begannen jeweils mit einem mehrtägigen Aufenthalt in Tokyo. Von dort aus ging es weiter mit Shinkhansen-Zügen Richtung Süden über die Städte Nagoya und Kyoto bis nach Fukuoka. Untergebracht wurden die Gruppe in traditionellen Hotels bzw. Gästehäusern der besuchten Universitäten.

Von Tokyo aus besuchten wir mit Tagesausflügen die University of Tsukuba (Prof. Toshimasa Yamanaka), die University of Chiba (Prof. Kazuo Sugiyama) und die Musashino Art University (Prof. Tadanori Nagasawa). In Kyoto die Seika University und zum Schluss der Partnerhochschule der h_da,  der Kyushu University in Fukuoka.

Während der beiden Reisen nach Japan konnten die frischen Kontakte zu den japanischen Hochschulen sowie die interkulturellen Kompetenzen der Studierenden bei ihren Präsentationen vertieft werden und somit dem Wissenstransfer zwischen Hessen und Japan Vorschub leisten. Die Studierenden sollten zudem in die Lage versetzt werden, internationale Zusammenarbeit kennen zu lernen, wie sie auch das spätere Berufsleben verlangt.

4. Austausch und Kooperationen verstetigen

Das Japanengagement der hessischen Designer hat inzwischen ein reges Medienecho sowohl in Deutschland als auch in Japan erlangt. Es ist  ein gelungener Beitrag für die Imagebildung des Ausbildungs- und Wirtschaftstandortes Hessen. Beide Projekte wurden im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt der Öffentlichkeit vorgestellt. Hierzu ist auch eine Reisebericht in Form von zwei Publikationen und  einer DVD entstanden, die auch durch Studierende des Studiengangs erstellt wurden.

Darüber hinaus konnten Dank der entstandenen guten Beziehungen zur Firma Brother inzwischen einige Industrie-Designstudenten der h_da ein Praktikum in der Firmenzentrale in Nagoya absolvieren.

Aufgrund der durch die Reisen entstandenen guten Kontakte zur Kyushu-Universtität in Fukuoka ergab sich seit 2007 im Rahmen eines Kooperationsvertrages ein regelmäßiger studentischer Austausch und auf wissenschaftlicher Ebene ein Forschungsprojekt zwischen Prof. Minako Ikeda und Prof. Tom Philipps. Aufgrund des spannenden Dialogs wird aktuell inzwischen das dritte Japan-Exchange Projekt vorbereitet, das im Frühjahr 2009 realisiert wird.

Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen einen kleinen Eindruck der ersten beiden Reisen und den vorgestellten Projekten  vorstellen. Begleiten Sie uns auf der Reise ...